Montag, 6. Juli 2015

JUGENDTRÄUME, DIE MICH EINHOLEN...

 

 

                                                           
 
 
Meine Woche fing künstlerisch an.

Ich war in einem der tollsten, ungewöhnlichsten Deko- und Stoffgeschäfte in Kritzendorf bei

Klosterneuburg.

Da gehen auch Modedesigner und Theaterleute ein und aus.

Mir fiel eine Gruppe auf, die offenbar ein Theaterstück ausstattete.

Mit schräger Mütze unverkennbar der Regisseur im Mittelpunkt.

Rund um ihn herum standen Einkaufswagen mit Stoffen und ein paar Leute.

„Der Stoff für die Jacke von Anatol?", fragte eine junge Frau.

„Ja“.

Und der Stoff nicht für das Futter. Wieder wurde ein Stoffballen hochgehalten.

„Nein, der nicht.“

Die junge resolute Frau: „Also der stirbt.“ Offenbar meinte sie den Stoff und nicht Anatol.

Sollte wohl heißen, Stoff schied aus.

Ich kam mir in die Zeit zurück versetzt, in der ich mit meinem Vater, der auch nebenbei Theaterarzt
war, Anatevka anschauen durfte.

Da war mir klar. Ich will Schauspielerin werden.

„Kommt nicht in Frage", befand mein Vater.

Matura- , dann Bank oder Lehrerin.

 

Mitte der vergangenen Woche fing dann der Ingeborg Bachmann-Preis an.

Und wieder war es ein kleiner Ausflug in meine Jugend.

Als es klar war, dass sich mein Traum vom Theater nicht erfüllen würde, stürzte ich mich aufs
Schreiben. Bekam ein Buch von Ingeborg Bachmann in die Hände und wünschte mir innig: So

müsste
man schreiben können.

Viele Jahrzehnte später saß ich also diese Woche wieder vor meinem kleinen Fernseher in unserem

Salettl im Garten und hörte neben Vogelgezwitscher die Lesungen der Teilnehmer an.

Vielleicht kam es nur mir so vor, aber ich finde, es war diesmal besonders schwer sich festzulegen,

wer einem am besten gefallen hat.

Nora Gomringer auch auf Grund ihrer super Performance total begeisternd. Die Siegerin des

Bachmannpreises.

Valerie Fritsch mit ihrem Text, der ihr den Zuschauerpreis und den Kelagpreis brachte.

Dana Grigorcea, die als letzte las, und sehr sehr verdient den 3Sat Preis bekam.

Teresa Präauer und Monique Schwitter hätte ich auch noch gerne mit einem Preis bedacht gesehen.

Ich finde, es war eine der stärksten Bachmannpreis-Veranstaltungen überhaupt.

Mir hat es Mut gemacht, nicht mehr so zu zögern, sondern zu versuchen einfach zu schreiben.

Ich habe schon lange nicht mehr so eine Begeisterung und eine Leidenschaft gespürt.

Es ist eine Welt, die mich so richtig glücklich macht!

Und dennoch frage ich mich, ob andere auch so viele Zweifel an sich haben.

Zwischendurch den Mut verlieren. Das Gefühl kennen, nicht weiter zu kommen, obwohl man es sich

so sehr wünscht...

Vermutlich gehören diese ups und downs zum Schreiben dazu.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich mir diese besinnungslose Lust zu schreiben, die mich diese
Woche wieder erfasst hat, erhalten kann.

 

 

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